Kunststofftechnik für geschlossene Aquakultursysteme

In Norwegen wurden von Bluegreen mehrere vollständig geschlossene, schwimmende Aquakulturanlagen aus Polyethylen für FishGlobe gebaut. AGRU lieferte dafür tragende Kunststoffhalbzeuge sowie Rohrleitungen an das Unternehmen. Die Anlagen ermöglichen eine kontrollierte Fischproduktion unter anspruchsvollen maritimen Einsatzbedingungen.

Werkstoffanforderungen im maritimen Einsatz

Der Dauerbetrieb in maritimer Umgebung stellt hohe Anforderungen an Werkstoff und Konstruktion. Salzwasser, hohe UV-Belastung, ausgeprägte Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht sowie kontinuierliche mechanische Beanspruchung durch Wellengang wirken dauerhaft auf die Struktur ein. In großflächig verschweißten Konstruktionen entscheidet daher die Materialwahl maßgeblich über die Betriebsdauer der Anlage.

Die Wahl fiel auf PE 100-RC. Der Werkstoff ist auf eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber langsamem Risswachstum ausgelegt und zeigt auch bei Kerbbeanspruchung eine deutlich höhere Robustheit als konventionelles PE-HD. Für großvolumige, auf See eingesetzte Strukturen in der 30.000-m³-Klasse stellt dies eine wichtige sicherheitstechnische Reserve dar.

Darüber hinaus ist Polyethylen gegenüber Seewasser korrosionsbeständig. Zusätzliche Schutzmaßnahmen wie Beschichtungen, Opferanoden oder kathodischer Korrosionsschutz sind daher nicht erforderlich. Für den Einsatz unter den klimatischen Bedingungen des Roten Meeres wurde der eingesetzte Werkstoff zusätzlich mit UV-Stabilisatoren und Antioxidantien ausgestattet, um Photooxidation und thermische Alterung zu verlangsamen.

Konstruktion aus verschweißten PE-Platten

Die Behälterhülle der Anlagen besteht aus einer doppelwandigen, verschweißten Sandwich-Konstruktion aus Polyethylen-Platten. Die großformatigen Platten wurden auf der Baustelle zu Segmenten gebogen und mittels Heizelement-Stumpfschweißung sowie Extrusionsschweißung miteinander verbunden.

Großformatige Halbzeuge reduzieren die Gesamtlänge der Schweißnähte und damit die Anzahl der Fügestellen. Die reproduzierbare Qualität der großflächigen Schweißverbindungen ermöglicht Verbindungszonen, die den mechanischen Anforderungen beim Einsatz auf See gerecht werden.

Für die Konstruktion lieferte AGRU rund 600 Tonnen weiße, hoch UV-stabilisierte PE-100-RC-Platten im Format 5 × 2 Meter mit einer Stärke von bis zu 50 Millimetern. Ergänzt wurde der Lieferumfang durch Schweißdrähte und mehr als 200 laufende Meter PE-100-RC-Druckrohr DN 1200 für die Zu- und Abführung des Seewassers.

Geschlossenes Containment-System für kontrollierte Aquakultur

Das Betriebskonzept der Anlagen ist technisch wie biologisch geschlossen. Seewasser wird kontrolliert aus Tiefen von 45 bis 50 Metern angesaugt und gefiltert. Dadurch lassen sich oberflächennahe Belastungen sowie parasitäre Einträge reduzieren, während gleichzeitig stabilere Temperaturbedingungen genutzt werden können.

Feststoffe aus Futterresten und Exkrementen werden innerhalb der Anlage erfasst und gezielt abgeführt. Die glatten PE-Oberflächen erleichtern Reinigung und Hygienemanagement, da sich mariner Bewuchs und Mikroorganismen weniger stark anlagern. Ein integrierter Strömungskanal gewährleistet eine gleichmäßige Strömungsführung innerhalb der Anlage.

Projektumsetzung

Das sogenannte „Closed-Containment-Konzept“ wurde von FishGlobe entwickelt. Die Fertigung der geschlossenen Fischzuchtanlagen mit integriertem Strömungskanal erfolgte projektspezifisch durch den Industriepartner Bluegreen.

Ende September 2025 brachte Bluegreen am Standort Frier Vest die Einheiten FishGlobe 3.5K (3.500 m³) und FishGlobe 10K (10.000 m³) im Rahmen eines Schwerlasttransports zu Wasser. Die Anlagen weisen Abmessungen von 14 Metern Höhe und 23 Metern Durchmesser beziehungsweise 17 Metern Höhe und 33 Metern Durchmesser auf.

Nach Abschluss von Inspektion und Erprobung wurden die Fischzuchtanlagen an einen internationalen Kunden in Saudi-Arabien überführt, wo sie nun im Einsatz sind.

AGRU als Werkstoff- und Systempartner

AGRU begleitete die Entwicklung des Projekts als Werkstoff- und Systempartner. Zum Leistungsspektrum gehörten geeignete Werkstoffe für Halbzeuge und Rohrleitungskomponenten ebenso wie anwendungstechnische Beratung, Schweißtechnik, Sonderformate und eine abgestimmte Lieferlogistik.

Diese Verzahnung der Leistungen erwies sich insbesondere unter Baustellenbedingungen mit Kraneinsatz, Schweißarbeiten und engen Terminfenstern als relevant. Bereits in der Planungs- und Konstruktionsphase brachte AGRU materialtechnische Expertise ein und unterstützte das Projekt mit entsprechenden Empfehlungen.

Parallel dazu läuft die Vorbereitung der bislang größten Anlage des Systems: der FishGlobe 30K mit einem Volumen von 30.000 m³.

„Die enge Zusammenarbeit und das tiefe Verständnis von AGRU für die Herausforderungen von Kunststoffprodukten in maritimen Umgebungen haben maßgeblich zur erfolgreichen Umsetzung beigetragen“, sagt Albert Lueghamer, Head of Technical Department bei AGRU.